Amortisationszeit (“nach wie vielen Jahren hat sich die Anlage bezahlt gemacht”) ist die gängigste Kennzahl, um eine PV-Investition einzuordnen — aber nicht die einzige, und für manche Fragen nicht die aussagekräftigste. Eine zweite, in der Energiewirtschaft etablierte Kennzahl beantwortet eine andere Frage direkt: Was kostet eine selbst erzeugte Kilowattstunde Solarstrom wirklich, über die gesamte Lebensdauer der Anlage gerechnet?
Was Stromgestehungskosten (LCOE) bedeuten
Stromgestehungskosten — im Englischen “Levelized Cost of Electricity” (LCOE) — rechnen alle Kosten einer Stromerzeugungsanlage über ihre gesamte Lebensdauer zusammen (Investition, Betrieb, Wartung, ggf. Komponentenaustausch) und teilen die Summe durch die insgesamt über diese Lebensdauer erzeugte Strommenge. Das Ergebnis ist ein Preis pro Kilowattstunde — direkt vergleichbar mit dem, was man sonst pro Kilowattstunde beim Stromanbieter zahlt.
Der Unterschied zur Amortisationsrechnung: Die Amortisation beantwortet “wann ist die Investition wieder drin”, die Stromgestehungskosten beantworten “wie günstig ist der erzeugte Strom selbst” — unabhängig davon, wie lange die Anlage schon läuft.
Die aktuellen Zahlen für Photovoltaik in Deutschland
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) berechnet Stromgestehungskosten regelmäßig für alle relevanten Stromerzeugungstechnologien. Für Photovoltaik-Dachanlagen in Deutschland (Stand: Studie Juli 2024) ergibt sich:
- PV-Anlage ohne Speicher: 4,1 bis 14,4 Cent pro Kilowattstunde — die Spanne ergibt sich aus unterschiedlichen Anlagenkosten und Sonneneinstrahlung je nach Standort (Süddeutschland schneidet dabei günstiger ab als Standorte mit weniger Einstrahlung).
- PV-Anlage mit Batteriespeicher: 6,0 bis 22,5 Cent pro Kilowattstunde — die deutlich größere Spanne kommt von den Kostenunterschieden bei Speichersystemen selbst (siehe der Artikel zum Speicher-Wirkungsgrad).
Zum Vergleich: Der durchschnittliche deutsche Haushaltsstrompreis liegt laut BDEW aktuell bei rund 37 Cent pro Kilowattstunde. Selbst am oberen Ende der PV-Spanne mit Speicher liegt selbst erzeugter Solarstrom damit klar unter dem, was für Netzstrom bezahlt wird — am unteren Ende (reine PV-Anlage, günstiger Standort) liegt der Unterschied bei mehr als dem Achtfachen.
- PV-Anlage ohne Speicher4,1–14,4 Ct
- PV-Anlage mit Batteriespeicher6,0–22,5 Ct
- Haushaltsstrom aus dem Netz (BDEW)37,00 Ct
Quelle: Stromgestehungskosten Photovoltaik: Fraunhofer ISE, Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien, 2024; die Spanne ohne Speicher gilt laut Berichterstattung (pv magazine, 7.10.2024) für Photovoltaik allgemein, von Freiflächen- bis zu kleinen Dachanlagen. Haushaltsstrompreis: BDEW-Durchschnitt, rund 37 Ct/kWh. Die Balken zeigen Spannen der Studie, keine Prognose für eine einzelne Anlage.
Warum diese Zahl trotzdem nicht die einzige Kennzahl sein sollte
Stromgestehungskosten sind ein fairer Vergleichswert zwischen Erzeugungstechnologien und gegenüber dem Netzstrompreis — aber sie sagen nichts darüber aus, wie schnell sich eine konkrete Investition für einen einzelnen Haushalt auszahlt, und sie blenden aus, wie viel vom erzeugten Strom tatsächlich selbst genutzt wird (siehe den Unterschied zwischen Autarkiegrad und Eigenverbrauchsquote im Grundlagen-Artikel). Eine Anlage mit niedrigen Gestehungskosten, aber wenig Eigenverbrauch und niedriger Einspeisevergütung, kann trotzdem länger brauchen, bis sie sich amortisiert, als eine etwas teurere Anlage mit hohem Eigenverbrauchsanteil.
Die beiden Kennzahlen beantworten deshalb unterschiedliche Fragen und ergänzen sich, statt sich zu ersetzen: Stromgestehungskosten zeigen, wie günstig der erzeugte Strom grundsätzlich ist — Amortisation und Jahresersparnis zeigen, was das für die eigene, konkrete Investitionsentscheidung bedeutet.
Methodik-Hinweis
Die Fraunhofer-ISE-Studie rechnet mit einer technischen Lebensdauer von 30 Jahren für PV-Anlagen und 15 Jahren für Batteriespeicher (danach fällt ein Ersatz der Batterie zu tendenziell geringeren Kosten an) sowie mit marktüblichen Finanzierungskosten und Risikoaufschlägen. Der auf dieser Seite verwendete Gestehungskostenrechner nutzt eine vereinfachte, undiskontierte Rechnung (Gesamtkosten geteilt durch Gesamtertrag über die Lebensdauer, inklusive Degradation) — transparent nachvollziehbar, aber methodisch einfacher als das vollständige Fraunhofer-Modell mit Kapitalkosten-Diskontierung. Für eine Einordnung der Größenordnung ist das ausreichend, für eine Investitionsentscheidung im industriellen Maßstab wäre das vollständige Modell relevant.
