Themenseite · Stand 14. Oktober 2026

Photovoltaik 2027: Vom Einspeisen zum Energiesystem

Ab 2027 kann eine Solaranlage mehr als einspeisen: Batteriespeicher dürfen erstmals am Strommarkt mitspielen, und Smart Meter und Energiemanagement entscheiden, wann Strom genutzt, gespeichert oder verkauft wird. Für neue Anlagen soll dafür mehr Marktintegration an die Stelle der festen Vergütung treten — und der Eigenverbrauch, schon heute der größte Posten einer gut ausgelegten Anlage, wird zum wichtigsten Hebel.

Die Frage ändert sich

2026

„Wie hoch ist meine Einspeisevergütung?“

Die Anlage erzeugt Strom, der Überschuss geht ins Netz und bekommt einen festen Satz — heute 7,70 ct je kWh bis 10 kWp, 20 Jahre lang.

2027

„Wie viel kann mein Energiesystem für mich herausholen?“

Die Anlage wird Teil eines Energiesystems: günstig einkaufen, Solarstrom speichern, Verbrauch verschieben, teuren Netzstrom vermeiden, Überschüsse marktorientiert verkaufen.

Warum der Eigenverbrauch zählt

Eine selbst genutzte Kilowattstunde erspart rund 37 ct Strombezug. Eingespeist bringt sie heute 7,70 ct, nach dem Entwurf zunächst 5,20 ct. Die Lücke dazwischen ist der Hebel — und sie wird größer, je weniger die Einspeisung wert ist.

Genau hier setzen Speicher, Steuerung und verschiebbare Verbraucher an: Jede Kilowattstunde, die im Haus bleibt statt ins Netz zu gehen, ist ab 2027 noch mehr wert als heute. Wer sein Energiesystem darauf auslegt, gewinnt.

Was eine Kilowattstunde Solarstrom wert istCent pro kWh
  • Selbst verbraucht37 Ct
  • Eingespeist, Inbetriebnahme 20267,70 Ct
  • Eingespeist ab 2027 (Entwurf)5,20 Ct

Quelle: Strompreis: BDEW-Haushaltsdurchschnitt. Einspeisevergütung: Bundesnetzagentur / § 49 EEG, Inbetriebnahme 1.8.2026–31.1.2027, bis 10 kWp. Übergangszahlung: Regierungsentwurf EEG 2027, Drucksache 21/7867, erster Satz, nicht beschlossen.

Was gilt, was geplant ist

giltEntwurf
  1. 1.1.2025

    Dynamische Stromtarife für allegilt

    Jeder Stromlieferant muss Kunden mit intelligentem Messsystem einen Tarif anbieten, der den Börsenpreis stundengenau weitergibt (§ 41a EnWG).

  2. 25.2.2025

    Solarspitzengesetzgilt

    Neue Anlagen: keine Vergütung bei negativen Börsenpreisen, ohne Steuerungseinrichtung höchstens 60 % Einspeiseleistung.

  3. 29.7.2026

    Kabinett beschließt EEG-EntwurfEntwurf

    Für neue Anlagen unter 25 kW soll mehr Marktintegration an die Stelle der festen 20-jährigen Vergütung treten. Seit 24.9.2026 im Bundestag (Drucksache 21/7867).

  4. 1.10.2026

    MiSpeL beschlossengilt

    Speicher dürfen Netz- und Solarstrom mischen, ohne die Förderung für den Solarstrom zu verlieren. Bidirektionale Ladepunkte werden Speichern weitgehend gleichgestellt.

  5. Heute
  6. 31.12.2026

    Stichtag für das heutige VergütungsmodellEntwurf

    Wer bis hier in Betrieb nimmt, behält nach dem Entwurf 7,70 ct je kWh für 20 Jahre (Teileinspeisung bis 10 kWp).

  7. 1.1.2027

    Geplanter Start der NovelleEntwurf

    Übergangszahlung von zunächst 5,20 ct für drei Jahre, danach Eigenverbrauch, Direktvermarktung oder unbezahlte Abgabe ans Netz. Dauerhafte Einspeisegrenze 50 % für Dachanlagen unter 100 kW.

  8. Ende Sept. 2027

    MiSpeL-Übergangsphase endetgilt

    Bis dahin geht MiSpeL nur mit Einverständnis von Netz- und Messstellenbetreiber. Die Pauschaloption braucht zusätzlich die Genehmigung der EU-Kommission.

Bestandsanlagen sind von der Novelle nicht betroffen. Bundesrat und Branchenverbände fordern Änderungen, vor allem eine längere und höhere Übergangszahlung; die Zahlen aus dem Entwurf können sich bis zur Verabschiedung noch ändern.

Woraus ein Energiesystem besteht

Einzeln gibt es diese Geräte seit Jahren. Neu ist, dass die Regeln ab 2027 ihr Zusammenspiel belohnen.

ErzeugenPhotovoltaikanlage
Ohne feste Vergütung nach dem eigenen Verbrauch auslegen, nicht nach der größtmöglichen Dachfläche.
SpeichernBatteriespeicher
Verschiebt Solarstrom vom Mittag in den Abend — und darf mit MiSpeL zusätzlich günstigen Netzstrom aufnehmen.
MessenIntelligentes Messsystem
Misst im Viertelstundentakt. Voraussetzung für dynamischen Tarif, Direktvermarktung und volle Einspeiseleistung; über 7 kWp Pflicht.
SteuernEnergiemanagement (HEMS)
Verknüpft Wetterprognose, Ladezustand, Strompreis und Verbrauch — niemand muss die Börse beobachten.
BepreisenDynamischer Stromtarif
Gibt den Börsenpreis stundengenau weiter. Lohnt sich vor allem, wenn große Verbraucher in günstige Stunden wandern.
VerbrauchenWärmepumpe, Wallbox, E-Auto
Die großen, verschiebbaren Verbraucher. Mit bidirektionalem Laden wird das Auto perspektivisch selbst zum Speicher.

Was sich nicht versprechen lässt

Speicher-Arbitrage, dynamischer Tarif und Direktvermarktung sind zusätzliche Einspar- und Erlösmöglichkeiten neben dem klassischen Eigenverbrauch — keine garantierten Mehrerträge. Wie viel übrig bleibt, hängt an Preisunterschieden über den Tag, die niemand für zwanzig Jahre vorhersagt, und an Gebühren für Messung und Vermarktung. Unsere Rechner bilden diese neuen Erlöse deshalb nicht ab und rechnen mit dem heute geltenden Recht; warum, steht unter Methodik.

Passend dazu

Photovoltaik-Rechner

Heute planen, 2027 intelligent starten: Der Rechner zeigt Ihren Eigenverbrauch getrennt von der Einspeisung — die Größe, auf die es ab 2027 ankommt. Ersparnis und Amortisation rechnen mit der heutigen Vergütung, gelten also für eine Inbetriebnahme bis 31.12.2026.

Zum Rechner →
Ausführlich, mit Quellen und FAQPhotovoltaik 2027: Vom Einspeisen zum Energiesystem →

Quellen: Bundesnetzagentur, MiSpeL-Festlegung vom 1.10.2026 (Az. 618-25-02); Deutscher Bundestag, Drucksachen 21/7867 und 21/8298; Stiftung Umweltenergierecht, EEG 2027-RegE; § 14a und § 41a EnWG; Solarspitzengesetz 2025. Stand 14. Oktober 2026.