Mieterstromrechner
Eine PV-Anlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses liefert Strom direkt an die Mieter — das Modell heißt Mieterstrom. Dieser Rechner gibt eine erste wirtschaftliche Einschätzung: Erlös an die Mieter, Mieterstromzuschlag, Einspeisung des Überschusses und die daraus resultierende Amortisation.
Mieterstromrechner
Erste Wirtschaftlichkeits-Einschätzung für PV im Mehrfamilienhaus
Der Mieterstrompreis darf maximal 90 % des örtlichen Grundversorgertarifs betragen — realistisch sind 25–30 ct/kWh. Üblich ist eine Direktverbrauchsquote von rund 40 % ohne Speicher, 60 % mit Speicher. Die Teilnahmequote bestimmt, welcher Anteil dieses Direktverbrauchs tatsächlich als Mieterstrom abgenommen wird — der Rest wird eingespeist.
Die Betriebskosten (Messstellenbetrieb, Abrechnung, Bilanzkreis, Lieferantenpflichten) sind bewusst nicht vorbelegt — sie unterscheiden sich je nach Dienstleister stark. Tragen Sie hier den Wert aus Ihrem Angebot ein; bei 0 € rechnet das Ergebnis ausdrücklich vor Betriebskosten und fällt entsprechend zu günstig aus.
So funktioniert der Rechner
Gebäude beschreiben
Anzahl der Wohneinheiten und Dachfläche bestimmen Anlagengröße und die Menge, die an Mieter geliefert werden kann.
Preise setzen
Der Mieterstrompreis ist auf 90 Prozent des örtlichen Grundversorgertarifs gedeckelt. Wie viel darunter Sie anbieten, entscheidet über Abnahme und Deckungsbeitrag.
Wirtschaftlichkeit prüfen
Drei Einnahmequellen stehen der Investition gegenüber: Direktverkauf, Mieterstromzuschlag und Einspeisevergütung für den Überschuss.
Woher die Einnahmen kommen
Erstens der Direktverkauf an die Mieter. Der Preis ist nach § 42a EnWG auf höchstens 90 Prozent des örtlichen Grundversorgertarifs begrenzt — der Mieter muss günstiger fahren als beim Standardanbieter, sonst hat das Modell keinen Sinn.
Zweitens der Mieterstromzuschlag nach § 21 Abs. 3 EEG, den der Betreiber für jede an Mieter gelieferte Kilowattstunde erhält. Für Inbetriebnahmen im Zeitraum Februar bis Juli 2026 beträgt er 2,54 ct/kWh bis 10 kWp, 2,36 ct/kWh von 10 bis 40 kWp und 1,29 ct/kWh von 40 bis 100 kWp (Bundesnetzagentur). Er degressiert halbjährlich und ist ab Inbetriebnahme für 20 Jahre festgeschrieben.
Drittens die normale Einspeisevergütung für den Strom, den im Haus gerade niemand braucht.
Voraussetzungen und der große Unsicherheitsfaktor
Gefördert werden Anlagen bis 100 kWp auf, an oder in einem Wohngebäude, bei dem mindestens 40 Prozent der Fläche dem Wohnen dienen. Der Strom muss ohne Nutzung des öffentlichen Netzes an Letztverbraucher im selben oder einem angeschlossenen Gebäude geliefert werden.
Die laufenden Betriebskosten für Messwesen, Abrechnung und Kundenverwaltung sind im Rechner mit null vorbelegt. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine bewusste Entscheidung: Für diese Kosten liegt keine belastbare öffentliche Quelle vor, und ein geschätzter Betrag würde die zentrale Kennzahl unbelegt verschieben. Sie sind real und gehören in jede ernsthafte Kalkulation — setzen Sie im Rechner Ihren eigenen Wert ein, sobald Sie ein Angebot eines Dienstleisters vorliegen haben.
Woran Mieterstromprojekte in der Praxis scheitern
Der häufigste Grund ist die Abnahmequote. Kalkuliert wird mit einem Anteil teilnehmender Mieter; liegt er darunter, bricht die wichtigste Einnahmequelle weg, während Messkonzept und Abrechnung unverändert weiterlaufen. Weil Mieter nicht zur Abnahme verpflichtet werden dürfen, bleibt das ein echtes Risiko und keine reine Rechengröße.
Der zweite Grund ist das Messkonzept. Für Mieterstrom braucht es eine Summenzählermessung mit Unterzählern je Wohneinheit, dazu einen Dienstleister für Abrechnung, Lieferantenwechsel und Kundenkommunikation. Diese Kosten fallen weitgehend unabhängig von der Gebäudegröße an — deshalb tun sich kleine Mehrfamilienhäuser besonders schwer.
Der dritte ist Fluktuation. Jeder Ein- und Auszug bedeutet einen Vertragswechsel im Mieterstrommodell. Bei hoher Mieterfluktuation wächst der Verwaltungsaufwand schneller als der Deckungsbeitrag. Als Alternative bleibt die reine Volleinspeisung, die zwar weniger je Kilowattstunde bringt, dafür aber ohne Kundenverwaltung auskommt.
Häufige Fragen
Lohnt sich Mieterstrom ab welcher Gebäudegröße?
Der Aufwand für Messkonzept und Abrechnung fällt weitgehend unabhängig von der Größe an, weshalb kleine Gebäude es schwer haben. Der Rechner zeigt den Deckungsbeitrag für Ihre Konstellation, statt eine Mindestgröße zu behaupten.
Muss jeder Mieter mitmachen?
Nein, und das ist rechtlich vorgegeben: Mieter dürfen nicht zur Abnahme verpflichtet werden und behalten ihre freie Anbieterwahl. Genau diese Unsicherheit über die Abnahmequote ist das wirtschaftliche Kernrisiko des Modells.
Was ist der Unterschied zu einer normalen Volleinspeisung?
Bei Volleinspeisung erhalten Sie einen festen Satz je Kilowattstunde und haben keinen Aufwand mit Kunden. Mieterstrom bringt höhere Erlöse je Kilowattstunde, verlangt dafür aber Messkonzept, Abrechnung und Kundenverwaltung.
Warum stehen die Betriebskosten auf null?
Weil für Messwesen und Abrechnung keine belastbare öffentliche Quelle vorliegt. Ein erfundener Betrag würde die Amortisation unbelegt verschieben. Die Kosten existieren — tragen Sie Ihren eigenen Wert ein, sobald Sie ein Angebot haben.
Ersetzt der Rechner eine rechtliche Prüfung?
Nein. Mieterstrom berührt Energierecht, Mietrecht und Steuerrecht gleichzeitig. Der Rechner liefert eine erste wirtschaftliche Einschätzung, keine Prüfung Ihres konkreten Vorhabens.
Wie unterscheidet sich Mieterstrom von einer Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung?
Die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung ist ein neueres, schlankeres Modell ohne Lieferantenpflichten und ohne Mieterstromzuschlag. Sie kommt mit weniger Verwaltung aus, bringt aber auch keinen Zuschlag. Welches Modell trägt, hängt an Gebäudegröße und Abnahmequote — dieser Rechner bildet den klassischen Mieterstrom nach § 21 EEG ab.
Kann ich das Dach stattdessen verpachten?
Ja, und für viele Eigentümer ist das der einfachere Weg: Ein Betreiber übernimmt Investition, Betrieb und Kundenverwaltung, Sie erhalten eine Pacht. Die Erlöse sind niedriger als bei einem erfolgreichen Mieterstromprojekt, das Risiko aber auch.