Die meisten Erklärungen zur Funktionsweise von Photovoltaik beginnen bei der Physik des photoelektrischen Effekts. Nachvollziehbarer ist es oft, den umgekehrten Weg zu gehen: dem Strom vom Dach bis zur Steckdose zu folgen und an jeder Station zu klären, was dort passiert und warum.

Station 1: das Modul — Gleichstrom aus Licht

Ein Solarmodul besteht aus in Reihe geschalteten Silizium-Zellen. Trifft Licht auf die Zelle, lösen sich Elektronen, und es entsteht eine Spannungsdifferenz — Gleichstrom (DC). Wie viel davon am Ende ankommt, hängt von drei Faktoren ab, die auf den ersten Blick unabhängig wirken, sich aber gegenseitig verstärken oder abschwächen:

  • Ausrichtung (Himmelsrichtung, in der die Module zeigen)
  • Neigungswinkel (wie steil die Module zur Sonne stehen)
  • Verschattung (Bäume, Nachbargebäude, Schornsteine)

Wie stark Ausrichtung und Neigung den Ertrag konkret verändern, rechnet ein eigener Artikel an Zahlen durch.

Station 2: der Wechselrichter — aus Gleichstrom wird Haushaltsstrom

Das Hausnetz und alle Geräte darin laufen mit Wechselstrom (AC), Module liefern aber Gleichstrom. Der Wechselrichter übernimmt diese Umwandlung — und ist damit technisch das komplexeste und verschleißanfälligste Bauteil der gesamten Anlage. Während Module realistisch 25–30 Jahre mit nur langsamer Leistungsabnahme laufen, hat ein Wechselrichter typischerweise eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren und muss innerhalb der Anlagenlaufzeit einmal getauscht werden.

Station 3: der Zähler — wer verbraucht was, wann

An dieser Stelle entscheidet sich, wie viel vom erzeugten Strom direkt im Haus verbraucht wird (Eigenverbrauch) und wie viel ins öffentliche Netz geht (Einspeisung). Ein Zweirichtungszähler misst beide Flüsse getrennt — Voraussetzung für die korrekte Abrechnung der Einspeisevergütung.

Der Eigenverbrauchsanteil hängt maßgeblich vom zeitlichen Zusammenspiel zwischen Erzeugung und Verbrauch ab: PV-Anlagen produzieren am meisten zwischen etwa 11 und 15 Uhr. Haushalte, die genau in diesem Fenster viel Strom verbrauchen (z. B. durch Homeoffice, Wärmepumpen-Betrieb tagsüber oder ein zeitgesteuertes E-Auto-Laden), nutzen einen größeren Anteil des erzeugten Stroms direkt selbst, statt ihn günstiger einzuspeisen als zuzukaufen.

Station 4 (optional): der Speicher — Verschiebung in die Abendstunden

Ohne Speicher geht jede Kilowattstunde, die nicht sofort verbraucht wird, ins Netz. Ein Batteriespeicher puffert den Überschuss und gibt ihn frei, sobald abends oder nachts wieder Strom gebraucht wird — er verschiebt Eigenverbrauch zeitlich, statt ihn zu erhöhen. Ob sich das wirtschaftlich lohnt, hängt stark vom Verbrauchsprofil ab — ob sich ein Stromspeicher rechnet, behandelt ein eigener Artikel im Detail.

Jetzt selbst rechnenAlle vier Stationen zusammen ergeben die Zahl, die am Ende zählt: die Ersparnis. Der Rechner bildet das komplette Zusammenspiel für Ihre Situation ab.

Warum “Autarkiegrad” und “Eigenverbrauchsquote” nicht dasselbe sind

Zwei Kennzahlen werden in Beratungsgesprächen häufig verwechselt, obwohl sie sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen:

  • Autarkiegrad = Eigenverbrauch geteilt durch Gesamtverbrauch. Steigt, je größer die Anlage im Verhältnis zum Verbrauch dimensioniert ist.
  • Eigenverbrauchsquote = Eigenverbrauch geteilt durch Jahresertrag. Sinkt tendenziell, je größer die Anlage im Verhältnis zum Verbrauch dimensioniert ist — eine große Anlage erzeugt schlicht mehr, als ein Haushalt zeitgleich verbrauchen kann.

Das Diagramm zeigt die gegenläufige Bewegung für einen Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch ohne Speicher: Je größer die Anlage, desto mehr vom Verbrauch deckt sie — aber desto kleiner wird der Anteil des Ertrags, der im Haus bleibt.

Autarkiegrad und Eigenverbrauchsquote nach Anlagengröße4-Personen-Haushalt, 4.000 kWh Jahresverbrauch, ohne Speicher
  • Autarkiegrad (Anteil am Verbrauch)
  • Eigenverbrauchsquote (Anteil am Ertrag)
AnlagengrößeProzent2 kWp: 30 % Autarkiegrad3 kWp: 36 % Autarkiegrad4 kWp: 42 % Autarkiegrad5 kWp: 46 % Autarkiegrad6 kWp: 50 % Autarkiegrad7 kWp: 51 % Autarkiegrad8 kWp: 53 % Autarkiegrad9 kWp: 54 % Autarkiegrad10 kWp: 55 % Autarkiegrad11 kWp: 55 % Autarkiegrad12 kWp: 55 % Autarkiegrad2 kWp: 63 % Eigenverbrauchsquote3 kWp: 51 % Eigenverbrauchsquote4 kWp: 44 % Eigenverbrauchsquote5 kWp: 39 % Eigenverbrauchsquote6 kWp: 35 % Eigenverbrauchsquote7 kWp: 31 % Eigenverbrauchsquote8 kWp: 28 % Eigenverbrauchsquote9 kWp: 25 % Eigenverbrauchsquote10 kWp: 23 % Eigenverbrauchsquote11 kWp: 21 % Eigenverbrauchsquote12 kWp: 19 % Eigenverbrauchsquote

Quelle: Modellrechnung von Photovoltaik Aktuell mit der Autarkie-Kennlinie des Photovoltaik-Rechners (ADAC-Spannen) und 950 kWh/kWp (Fraunhofer ISE). Typischer Haushalt, kein Lastgang — reale Werte können abweichen.

Der ADAC kommuniziert für deutsche Haushalte offiziell einen Autarkiegrad von 30 bis 55 % ohne Speicher und bis zu 85 % mit sinnvoll dimensioniertem Speicher — Werte über 85 % gelten laut HTW Berlin auch mit Speicher als praktisch nicht realistisch erreichbar.