Wer sich mit den Anschaffungskosten einer PV-Anlage beschäftigt, stößt irgendwann auf ein zweites Modell: Miete oder Pacht statt Kauf. Die Werbeversprechen klingen verlockend — “Solarstrom ohne eigene Investition”. Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen relativiert das Bild deutlich.

Wie das Mietmodell funktioniert

Bei einer PV-Miete (auch Pacht genannt) installiert ein Anbieter die Anlage auf dem eigenen Dach, bleibt aber Eigentümer. Der Mieter zahlt eine monatliche Rate — laut Verbraucherzentrale meist zwischen 80 und 300 Euro — und darf den erzeugten Strom selbst nutzen. Der Überschuss wird wie bei einer eigenen Anlage eingespeist, die Einspeisevergütung nach EEG steht ebenfalls dem Betreiber zu, also in diesem Fall dem Mieter der Anlage.

Die Rechnung, die die Werbung nicht zeigt

Eine monatliche Rate von beispielsweise 150 Euro wirkt überschaubar. Über die übliche Vertragslaufzeit von mindestens 20 Jahren summiert sich das aber auf 36.000 Euro — für eine Anlage, die als Kauf oft für einen Bruchteil dieser Summe zu haben wäre (siehe Kosten & Förderung für eine realistische Investitionsspanne). Die Verbraucherzentrale beziffert den Gesamtaufwand einer Miete über die Laufzeit auf das Zwei- bis Dreifache der Kaufkosten für eine vergleichbare Anlage.

Der Grund dafür ist strukturell, nicht anbieterspezifisch: Vermietende Unternehmen kalkulieren nicht nur die Anschaffung, sondern auch Finanzierungskosten, Wartung, Reparaturen, Versicherung und den eigenen unternehmerischen Gewinn in die monatliche Rate ein. Das ist grundsätzlich legitim — genau dafür zahlt man ja — aber es bedeutet, dass ein Mietmodell selten die günstigere Option ist, wenn ausreichend Eigenkapital oder ein normaler Kredit für den Kauf zur Verfügung steht.

Gesamtkosten über 20 Jahre: Kauf gegen MieteEuro
  • Kauf einer 10-kWp-Anlage10.000–13.000 €
  • Miete, 80 € im Monat19.200 €
  • Miete, 150 € im Monat36.000 €
  • Miete, 300 € im Monat72.000 €

Quelle: Monatsraten 80–300 € (Verbraucherzentrale) über 20 Jahre Laufzeit (Rate × 240 Monate), Kaufpreis 10 kWp ohne Speicher nach Fraunhofer ISE (1.000–1.300 €/kWp, brutto = netto). Mietanlagen sind unterschiedlich groß; der Kauf ist als Orientierung für 10 kWp gezeigt. Beim Kauf kommen laufende Kosten von rund 1 % der Investition pro Jahr hinzu, bei der Miete sind Wartung und Versicherung meist in der Rate.

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Wann ein Mietmodell trotzdem eine Überlegung wert ist

Die Miete hat einen echten, nicht nur werblichen Vorteil: Wartung, Instandhaltung, Versicherung und das technische Risiko (Modul oder Wechselrichter funktioniert nicht wie erwartet) liegen beim Vermieter, nicht beim Betreiber. Das kann für Haushalte relevant sein, die sich bewusst nicht mit technischen Details oder Garantiefragen beschäftigen wollen — oder für die ein Kredit zur Kauf-Finanzierung aus anderen Gründen nicht infrage kommt.

Der Nachteil dieser Bequemlichkeit: Mietverträge laufen meist 15 bis 20 Jahre und sind praktisch nicht kündbar. Bei einem Hausverkauf oder einer Vererbung muss der Vertrag in aller Regel weitergeführt werden — das kann bei einem Verkauf sogar zum Verhandlungsnachteil werden, wenn Käufer den laufenden Vertrag nicht übernehmen wollen.

Worauf bei einem Mietangebot zu achten ist

Wer ein Mietangebot trotzdem ernsthaft prüft, sollte laut Verbraucherzentrale mindestens diese Punkte klären, bevor unterschrieben wird:

  • Vollständige Leistungsbeschreibung: Was genau ist in der Rate enthalten — Wartung, Versicherung, Reparaturen, Zählertausch? Was kostet extra?
  • Kündigungs- und Übertragungsbedingungen: Was passiert bei einem Hausverkauf oder im Erbfall? Lässt sich der Vertrag übertragen, ohne dass Käufer oder Erben benachteiligt werden?
  • Ausfallregelung: Muss weiterhin gezahlt werden, wenn die Anlage wegen eines Defekts längere Zeit keinen Strom liefert?
  • Vertragslaufzeit gegen tatsächliche Ersparnis rechnen: Rate mal Vertragsjahre gegen eine realistische Kaufkosten-Spanne für eine vergleichbare Anlage gegenrechnen — nicht nur die monatliche Rate für sich betrachten.

Die kurze Antwort

Für die meisten Haushalte mit normalem Zugang zu Eigenkapital oder Baufinanzierung ist der Kauf über die Laufzeit deutlich günstiger als die Miete — die Bequemlichkeit der Miete hat ihren Preis, und der ist laut Verbraucherzentrale-Einordnung nicht klein. Eine Miete kann trotzdem die richtige Wahl sein, wenn Risikofreiheit und Nicht-Beschäftigung mit technischen Details wichtiger sind als der niedrigste Gesamtpreis — das sollte dann aber eine bewusste Entscheidung sein, keine, die aus der Werbeformulierung “ohne eigene Investition” folgt.