Beim Speichervergleich fällt der Blick fast automatisch zuerst auf die Kilowattstunden-Zahl: “Wie viel Kapazität brauche ich?” Eine ebenso wichtige, aber deutlich seltener gestellte Frage: Wie viel von der gespeicherten Energie kommt tatsächlich wieder heraus? Zwei Speicher mit identischer Kapazität können hier spürbar unterschiedlich abschneiden — mit einem messbaren Effekt auf die jährliche Ersparnis.
Was der Wirkungsgrad eines Speichers verändert
Jede Kilowattstunde, die in einen Speicher hinein- und wieder herausfließt, durchläuft zwei Umwandlungsschritte: den Wechselrichter (Gleichstrom zu Wechselstrom und zurück) und die Batteriezelle selbst. Beide Schritte verlieren Energie — wie viel, unterscheidet sich je nach Gerät und Hersteller erheblich. In der Praxis heißt das: Bei einem Speicher mit niedrigerem Wirkungsgrad braucht es mehr PV-Überschuss, um dieselbe Menge Strom am Abend nutzen zu können, als bei einem effizienteren Gerät.
Die Zahlen aus der aktuellen HTW-Berlin-Untersuchung
Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin, durchgeführt gemeinsam mit der HTW-Ausgründung aquu, hat zwölf Solarstromspeicher von zehn Herstellern im Labor vermessen und einen “System Performance Index” (SPI) für jedes Gerät ermittelt — eine standardisierte Effizienzkennzahl über den gesamten Lade-/Entladezyklus:
- Der beste getestete 10-kW-Speicher (Fox ESS) erreichte einen SPI von 97 % — ein neuer Effizienzrekord in der Testreihe.
- Das Schlusslicht der Testreihe kam nur auf 89,3 % — ein Unterschied, der laut HTW Berlin einem 3,5-fach höheren Verlust entspricht.
- Konkret beziffert: Der jährliche Kostenvorteil des effizientesten gegenüber dem am wenigsten effizienten getesteten System liegt bei rund 200 Euro — bei vergleichbarer Speicherkapazität.
- Bester Speicher im Test (SPI 97 %)3,0 %
- Schlusslicht im Test (SPI 89,3 %)10,7 %
Quelle: HTW Berlin, Stromspeicher-Inspektion 2026 (System Performance Index). Verlust rechnerisch als 100 % minus SPI; 10,7 % gegenüber 3,0 % entsprechen dem 3,5-fachen Verlust.
Ein weiterer, oft übersehener Faktor: der Standby-Verbrauch im Bereitschaftsbetrieb. Die effizientesten Systeme im Test (SAX Power, Fox ESS) zogen nur 4 Watt im Leerlauf, das Schlusslicht 64 Watt — auch das läuft über ein Jahr gerechnet spürbar zusammen.
Jetzt selbst rechnenDer Rechner zeigt Ihre Autarkie-Verbesserung durch einen Speicher — die konkrete Geräteauswahl innerhalb dieser Kapazität entscheidet dann über die tatsächliche Ersparnis.Nutzbare Kapazität: Datenblatt vs. Messwert
Ein zweiter Punkt aus der HTW-Untersuchung, der beim Kauf leicht übersehen wird: Die im Labor gemessene nutzbare Speicherkapazität weicht bei den getesteten Systemen um −7 bis +8 Prozentpunkte von der Herstellerangabe auf dem Datenblatt ab. Grund dafür ist unter anderem die Entladetiefe (Depth of Discharge, DoD) — manche Wechselrichter-Hersteller begrenzen sie strenger, als es die reine Batteriekapazität erlauben würde, um die Lebensdauer der Zellen zu schonen.
Seit November 2025 gilt mit der Norm DIN VDE V 0510-200 erstmals ein einheitlicher Standard dafür, wie der “nutzbare Energieinhalt der Batterie (DC)” auf dem Datenblatt anzugeben ist — das verbessert die Vergleichbarkeit zwischen Herstellern, macht eine unabhängige Messung wie die HTW-Inspektion aber nicht überflüssig.
Ein neuer Anwendungsfall: Speicher mit Netzstrom laden
Mit der zunehmenden Verbreitung dynamischer Stromtarife (Preise, die sich stündlich an der Strombörse orientieren) rückt eine neue Fragestellung in den Fokus: Lohnt es sich, den Speicher gezielt in Niedrigpreisphasen aus dem Netz zu laden, um ihn in Hochpreisphasen wieder zu entladen? Laut HTW Berlin hängt das direkt vom Systemwirkungsgrad ab — die Preisdifferenz zwischen Lade- und Entladezeitpunkt muss mindestens die kombinierten Wechselrichter- und Batterieverluste ausgleichen. Bei einem Systemwirkungsgrad von beispielsweise 71 % muss der Preis beim Wiederverkauf (bzw. der vermiedene Bezug) um mehr als das 1,4-Fache über dem Ladepreis liegen, damit sich der Vorgang überhaupt rechnet. Bei einem ineffizienten System mit deutlich niedrigerem Wirkungsgrad wird diese Schwelle in der Praxis oft gar nicht erreicht.
- Mindestverhältnis (1 ÷ Wirkungsgrad)
- Beispiel aus dem Text: 71 %
Quelle: Rechnung von Photovoltaik Aktuell: Ohne Gewinn oder Verlust muss der Entladepreis mindestens das 1/η-Fache des Ladepreises betragen (η = Systemwirkungsgrad); Ausgangspunkt ist die Einordnung der HTW Berlin. Ohne Netzentgelte und Steuern.
Was das für die Kaufentscheidung bedeutet
Die Kapazität in kWh bleibt die richtige erste Stellschraube für die Dimensionierung (siehe Lohnt sich ein Stromspeicher?). Beim Vergleich konkreter Angebote lohnt sich zusätzlich der Blick auf unabhängige Effizienzmessungen wie die HTW-Berlin-Inspektion, statt sich allein auf Datenblatt-Werte der Hersteller zu verlassen — der Unterschied ist bei größeren Anlagen über die Lebensdauer real spürbar, nicht nur eine technische Randnotiz.
