Ein Elektroauto im Haushalt erhöht den Strombedarf um grob 1.800 bis 3.600 Kilowattstunden pro Jahr — je nach Fahrleistung und Verbrauch. Genau dann wird eine eigene Photovoltaikanlage besonders wertvoll: Wer das Auto tagsüber mit selbst erzeugtem Solarstrom lädt, ersetzt Strom zum Marktpreis von rund 36 Cent durch eigene kWh, die bewertet nur wenige Cent kosten. Diese Seite zeigt, wie viel Solarstrom realistisch ins Auto fließt, welche Wallbox-Technik es dafür braucht und welche Anlagengröße sinnvoll ist.
Was das E-Auto an Strom braucht
Der jährliche Ladeenergiebedarf ergibt sich aus Fahrleistung, Verbrauch und Ladeverlusten. Ein typisches E-Auto braucht rund 18 kWh pro 100 Kilometer — die ADAC-Verbrauchsspanne getesteter Modelle liegt zwischen etwa 13 und 30 kWh. Hinzu kommt der Ladeverlust: Zwischen Wallbox und Akku gehen elektronik-, batterie- und temperaturbedingt rund zehn Prozent verloren. Bei 15.000 Kilometern Fahrleistung und 18 kWh/100 km sind das also etwa 3.000 kWh Ladeenergie an der heimischen Anschlussleitung, von denen real nur rund 2.700 kWh in den Akku gelangen.
Wie viel Solarstrom schafft das Auto wirklich?
Der Anteil der aus der eigenen PV geladenen Energie hängt vor allem von einer Frage ab: Steht das Auto in den Stunden mit PV-Überschuss zu Hause? Wer täglich zur Arbeit pendelt und abends lädt, trifft auf kaum Sonnenstrom. Wer auch mittags oder am Wochenende lädt, deutlich mehr.
Ohne jede Steuerung liegt der Solarstromanteil oft nur bei 20 bis 35 Prozent. Mit einer intelligenten Wallbox und PV-Überschussladen — die Wallbox regelt die Ladeleistung automatisch nach dem gerade verfügbaren Überschuss — sind 40 bis 60 Prozent realistisch. Mit zusätzlichem Speicher, Homeoffice oder Wochenendladen erreichen einzelne Haushalte auch 70 Prozent und mehr. Die 100-Prozent-Marke ist statistisch nie erreichbar, weil nicht jeder Ladevorgang in eine sonnige Fensterzeit fällt.
- Ohne Steuerung20–35 %
- Intelligente Wallbox mit Überschussladen40–60 %
- Mit Speicher, Homeoffice oder Wochenendladen70 % und mehr
Quelle: Praxis-Richtwerte wie im Text genannt, keine Messreihe. Der reale Anteil hängt von Fahrprofil, Anlagengröße, Ladezeiten und Wallbox ab.
Was kostet Laden mit und ohne Solar?
Eine brauchbare Orientierung bietet die Rechnung pro 100 Kilometer. Bei 18 kWh/100 km plus zehn Prozent Ladeverlust bezieht die Wallbox etwa 20 kWh für 100 Kilometer. Zum Breitband-Netzstrompreis von rund 36 Cent/kWh sind das etwa 7,20 Euro. Zum oft zitierten „Solarstrom-Grenz- kostenpreis“ von null Euro ist er dagegen nie — denn Solarstrom, den Sie ins Auto laden, speisen Sie nicht mehr ein. Der entgangene Einspeisewert von rund 7,7 Cent/kWh ist die realistischere Bewertung.
Rechnet man damit, kostet Solar-Laden bei 45 Prozent Solarstromanteil rechnerisch nur rund zwei Euro pro 100 Kilometer. Die Ersparnis gegenüber dem reinen Netzladen liegt bei einem Vielfahrer mit 15.000 Kilometern dann im Bereich von 500 bis 600 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Ein Diesel mit sechs Litern Verbrauch kostet bei 1,65 Euro je Liter rund 1.490 Euro Kraftstoff im Jahr — die Kombination PV plus E-Auto spart also typischerweise über 1.000 Euro gegenüber dem Verbrenner, wenn man schon sowohl Auto als auch Anlage hätte.
Die passende PV-Größe
Die Anlage muss den zusätzlichen Bedarf des Autos stemmen und ist entsprechend größer zu dimensionieren. Als Richtwerte gelten:
- 2 Personen, 10.000 km/Jahr: gesamt ca. 4.000 bis 5.000 kWh → 6 bis 8 kWp
- 4 Personen, 15.000 km/Jahr: gesamt ca. 6.500 bis 8.000 kWh → 9 bis 13 kWp
- 4 Personen plus Wärmepumpe, 20.000 km/Jahr: gesamt ca. 11.000 bis 15.000 kWh → 14 bis 20 kWp
Entscheidend sind neben dem Verbrauch die Dachfläche, die Ausrichtung und ob Sie tagsüber laden können. Wer zusätzlich einen Speicher plant, sollte die Gesamtlast (Haushalt plus Auto) und nicht das Auto isoliert betrachten — ein Speicher nur fürs Auto ist selten die günstigste Lösung. Die Wirtschaftlichkeit für sich genommen behandelt Lohnt sich ein Stromspeicher?.
Die Wallbox: Auf Überschussladen kommt es an
Für das Laden mit Sonnenstrom ist die nötige Ladeleistung weniger wichtig als die Steuerung. Eine 11-kW-Wallbox (dreiphasig) ist der deutsche Standard und muss beim Netzbetreiber nur angemeldet, nicht genehmigt werden; eine 22-kW-Wallbox ist genehmigungspflichtig und für die meisten Privathaushalte überdimensioniert, weil das Auto ohnehin Stunden steht.
Entscheidend ist die PV-Überschussfunktion: Die Wallbox liest den Überschuss am Hauszähler und moduliert die Ladeleistung zwischen etwa 1,4 kW und 11 kW — sie lädt also genau dann, wenn gerade Solarstrom übrig ist. Modelle etwa von go-eCharger, openWB, KEBA oder Fronius können das. Daneben lohnt ein Blick auf Lastmanagement und dynamische Tarife: Nach § 14a EnWG gibt es für separat angemeldete Wallboxen oft niedrigere Netzentgelte, und Ladestrom-Tarife bei Stadtwerken oder dynamische Tarife (ab 2025 lieferpflichtig, mit Smart Meter) senken die Kosten für den Netzstromanteil zusätzlich.
Mögliche Hardware-Kosten für eine 11-kW-Wallbox liegen 2026 typischerweise zwischen rund 600 und 1.050 Euro. Insgesamt erreicht die Kombination PV, Wallbox und Speicher die wirtschaftlichste Konfiguration für E-Mobilität im Eigenheim — die gesparten Kosten pro kWh gegenüber der Einspeisung machen den Unterschied aus.
