Wärmepumpe und Photovoltaik werden oft im selben Atemzug genannt — aus gutem Grund: Beide sind zentrale Bausteine der Wärme- und Stromwende im Eigenheim. Aber “passt gut zusammen” ist kein Wirtschaftlichkeitsargument für sich. Dieser Artikel ordnet ein, was die Kombination konkret verändert — beim Verbrauch, beim Eigenverbrauch und bei der Dimensionierung der Anlage.
Warum eine Wärmepumpe den Stromverbrauch spürbar erhöht
Eine Wärmepumpe ersetzt Gas- oder Ölheizung durch Strom als Energieträger für Heizung und Warmwasser. Für einen typischen 4-Personen-Haushalt liegt der zusätzliche Jahresverbrauch dadurch bei rund 3.000 kWh — je nach Gebäudedämmung, Wärmepumpentyp und Warmwasserbedarf auch mehr. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr drei Vierteln des gesamten Jahresverbrauchs eines durchschnittlichen 4-Personen-Haushalts ohne Wärmepumpe (rund 4.000 kWh). Eine Wärmepumpe verändert das Verbrauchsprofil eines Haushalts also nicht nur graduell, sondern grundlegend.
- Ohne Wärmepumpe4.000 kWh
- Mit Wärmepumpeca. 7.000 kWh
Quelle: Haushaltsverbrauch: ADAC (4 Personen, 4.000 kWh). Wärmepumpe: Praxisquellen nennen 3.000–5.000 kWh Mehrverbrauch, hier das untere Ende der Spanne (3.000 kWh). Werte des Photovoltaik-Rechners.
Der entscheidende Unterschied: Wann wird geheizt?
Hier liegt der eigentliche Knackpunkt für die PV-Kombination. Eine Photovoltaikanlage erzeugt ihren Strom vor allem mittags — eine Wärmepumpe hat ihren höchsten Wärmebedarf dagegen in den kälteren Monaten und häufig in den Morgen- und Abendstunden, wenn Räume aufgeheizt oder Warmwasser bereitet wird. Diese zeitliche Verschiebung zwischen Erzeugung und Bedarf ist derselbe Effekt, der auch bei anderen Verbrauchern eine Rolle spielt (siehe der Artikel “Wie funktioniert eine Photovoltaikanlage?”, Abschnitt zu Tageszeiten) — bei einer Wärmepumpe fällt er aufgrund der Größe des Verbrauchers besonders ins Gewicht.
Zwei Faktoren verbessern den Eigenverbrauchsanteil einer Wärmepumpe in der Praxis:
- Ein Pufferspeicher für Warmwasser oder Heizungswasser, der gezielt in den sonnenreichen Mittagsstunden geladen wird (“PV-Überschuss-Laden”) — viele moderne Wärmepumpen-Regelungen unterstützen das bereits ohne zusätzliche Hardware.
- Ein Batteriespeicher, der den mittäglichen PV-Überschuss für den Abend- und Morgenbedarf der Wärmepumpe vorhält — derselbe Mechanismus, der auch für den allgemeinen Haushaltsstromverbrauch gilt (siehe der Artikel “Lohnt sich ein Stromspeicher?”).
Wie weit Erzeugung und Verbrauch im Jahresverlauf auseinanderliegen, zeigt der Monatsvergleich für eine 8-kWp-Anlage und einen 4-Personen-Haushalt ohne Wärmepumpe: Von November bis Januar liegt schon der gewöhnliche Haushaltsstrom über dem Solarertrag. Der Heizstrom der Wärmepumpe kommt genau in diesen Monaten noch obendrauf.
- Solarertrag
- Haushaltsstrom
| Solarertrag | Haushaltsstrom | |
|---|---|---|
| Jan | 266 kWh | 376 kWh |
| Feb | 418 kWh | 344 kWh |
| Mär | 684 kWh | 344 kWh |
| Apr | 836 kWh | 320 kWh |
| Mai | 950 kWh | 320 kWh |
| Jun | 950 kWh | 300 kWh |
| Jul | 950 kWh | 300 kWh |
| Aug | 874 kWh | 320 kWh |
| Sep | 684 kWh | 320 kWh |
| Okt | 494 kWh | 336 kWh |
| Nov | 304 kWh | 360 kWh |
| Dez | 190 kWh | 360 kWh |
Quelle: Modellrechnung von Photovoltaik Aktuell: Jahresgang des Ertrags (Süd 30°, 950 kWh/kWp, Näherung an PVGIS) und Verbrauchsverlauf nach dem BDEW-Standardlastprofil H0. Das Profil enthält keinen Heizstrom; eine Wärmepumpe verschiebt den Verbrauch zusätzlich in den Winter.
Dimensionierung: größer planen, nicht nur mehr verbrauchen
Ein Haushalt mit Wärmepumpe hat einen deutlich höheren Gesamtverbrauch — das allein spricht schon für eine größer dimensionierte PV-Anlage, wenn das Dach das hergibt. Wichtiger als die reine Verbrauchssteigerung ist aber die Einordnung: Eine PV-Anlage, die nur auf den ursprünglichen Verbrauch ohne Wärmepumpe ausgelegt wurde, deckt anteilig einen kleineren Teil des neuen Gesamtverbrauchs — der Autarkiegrad sinkt, wenn die Anlagengröße nicht mitwächst. Wer eine Wärmepumpe mittelfristig plant, sollte das bei der PV-Dimensionierung von Anfang an mitdenken, auch wenn sich der Mehrverbrauch erst später tatsächlich einstellt.
Realistische Erwartungen an die Ersparnis
Die Kombination senkt den Bezug von teurem Netzstrom für die Wärmepumpe, ersetzt ihn aber nicht vollständig — insbesondere im Winter, wenn PV-Ertrag und Wärmebedarf am stärksten auseinanderlaufen (niedrigster Ertrag, höchster Heizbedarf, siehe Winter-Anteil im BDEW-Standardlastprofil). Die Wirtschaftlichkeitsrechnung sollte deshalb realistisch bleiben: Die Wärmepumpe selbst amortisiert sich in erster Linie über die eingesparten Heizkosten gegenüber Gas/Öl, die PV-Anlage über die Eigenverbrauchs- und Einspeiseersparnis — beide Effekte addieren sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig in der Rechnung.
